Johannes vom Kreuz, h1>
Prior in Granada und Segovia, Mystiker, Kirchenlehrer
* 24. Juni (?) 1542 in Fontiveros bei Ávila in Spanien
† 14. Dezember 1591 in Úbeda in Spanien
… aus ihrem Leben!
Johannes vom Kreuz (1542–1591) trat in jungen Jahren in den Orden der Karmeliter ein. Er war begeistert von den Reformen der hl. Teresa von Ávila, die sich im Unterschied zum gängigen Reformideal mit aufsehenerregenden Bußübungen nach der ursprünglichen Ordensregel des Albert von Jerusalem ausrichtete: geschwisterlicher Lebensstil, Einübung in das Freiwerden vom Ego und Pflege einer intensiven Freundschaft mit Gott. Mit ihr zusammen gründete er den Orden der Unbeschuhten Karmeliten, wofür er vom Stammorden ins Ordensgefängnis geworfen und misshandelt wurde. Hier erlebt er die tiefste Gotteserfahrung als Sehnsucht der Seele nach dem entschwundenen Geliebten und hier entsteht u. a. das Gedicht »Die dunkle Nacht«. Johannes ist einer der größten Mystiker der Kirche. Die Verfolgung durch seinen Stammorden fand ihre Fortsetzung auch nach seiner Flucht aus dem Gefängnis bis über sein Lebensende hinaus in Form verfälschender Berichte über seine Spiritualität. QUelle: maria-laach.de
Legenden oder Worte der Heiligen
Nach Johannes hat der Mensch auf dem Weg zu Gott drei Nächte zur durchschreiten:
"Dreier Dinge wegen können wir sagen, dass dieser Übergang des Menschen zur Gotteinung als Nacht bezeichnet wird:
Erstens wegen dem Punkt, von dem der Mensch ausgeht; denn er muss nach und nach das Streben nach Geschmack an allen Dingen der Welt aufgeben, das er besaß, indem er es zurückstellt; dieses Zurückstellen und Aufgeben sind wie eine Nacht für sämtliche Sinne des Menschen.
Zweitens wegen dem Mittel oder Weg, auf dem der Mensch zu dieser Gotteinung gehen soll, was der Glaube ist, der für das Erkenntnisvermögen ebenfalls so dunkel wie die Nacht ist.
Drittens wegen dem Punkt, zu dem er hingeht, der Gott ist, welcher für den Menschen in diesem Leben nicht mehr und nicht weniger als dunkle Nacht ist.
Diese drei Nächte müssen durch die Menschenseele hindurchgehen oder, besser gesagt, der Mensch durch sie, um zur gottgewirkten Einung mit Gott zu gelangen. …
Diese drei Nachtphasen sind alle eine einzige Nacht; doch sie hat drei Phasen, wie die Nacht. Denn die erste, welche die des Sinnenbereichs ist, ist mit dem Anbruch der Nacht zu vergleichen, das ist, wenn man der Gestalt der Dinge vollends entbehrt. Die zweite, das ist der Glaube, ist mit der Mitternacht zu vergleichen, die völlig dunkel ist; und die dritte, die Gott ist, mit der Morgendämmerung, die dem Tageslicht unmittelbar vorausgeht."
Zur ersten Nacht:
Der Weg zu Gott, der "alles" ist, ist paradox: "Um dahin zu kommen, alles zu verschmecken wolle an nichts Geschmack haben. Um dahin zu kommen, alles zu besitzen, wolle in nichts etwas besitzen. Um dahin zu kommen, alles zu sein, wolle in nichts etwas sein. Um dahin zu kommen, alles zu wissen, wolle in nichts etwas wissen. Um zu dem zu kommen, was du nicht verschmeckst, musst du einen Weg gehen, wo du nicht verschmeckst. Um zu dem zu kommen, was du nicht weißt, musst du einen Weg gehen, wo du nicht weißt. Um zu dem zu kommen, was du nicht besitzest, musst du einen Weg gehen, wo du nicht besitzest. Um zu dem zu kommen, was du nicht bist, musst du einen Weg gehen, wo du nicht bist.
Weise, um den Alles [Gott] nicht zu hindern: Wenn du bei etwas stehen bleibst, unterlässt du es, dich auf [den] Alles zu werfen.
Um ganz zu "Allem" zu kommen, musst du dich in allem ganz zurücknehmen. Und wenn du dazu kommst, es ganz zu haben, musst du es haben, ohne etwas zu wollen. Denn wenn du etwas in Allem willst, hast du nicht lauter in Gott deinen Schatz."
Zur zweiten Nacht: Der wahrhaft Glaubende gleicht einem völlig Blinden: "Der Blinde lässt sich vom Blindenführer nicht richtig führen, wenn er nicht ganz blind ist, sondern weil er ein bisschen sieht, denkt er, dass es besser sei, dorthin zu gehen, wo er etwas sieht, denn andere, bessere Wege sieht er nicht. So kann er den, der ihn führt und mehr sieht als er, in die Irre führen, da er ja schließlich mehr zu sagen hat als der Blindenführer. Und so geht der Mensch leicht in die Irre oder lässt sich aufhalten, weil er im Glauben nicht ganz blind bleiben will, der doch sein wahrer Führer ist, sobald er sich auf ein eigenes Wissen oder auf das Verschmecken und Wissen Gottes verlegt, insofern als das, auch wenn es noch so viel sein mag, um auf diesem Weg zu gehen, doch nur sehr gering und dem sehr unähnlich ist, was Gott ist."
Zur dritten Nacht: Vergleich der Seele mit einem sonnendurchleuchteten Fenster: "Wenn die Glasscheibe so manche Schmutz- oder Dunstschleier hat, kann er sie in seinem Licht nicht ganz und gar zum Leuchten bringen und sich gleich gestalten, wie wenn sie von all diesen Schmutzflecken sauber und durchsichtig wäre, im Gegenteil, er wird sie um so weniger zum Leuchten bringen, je weniger sie von diesen Schleiern und Flecken frei ist, und um so mehr, je sauberer sie ist. Und das liegt nicht am Sonnenstrahl, sondern an ihr, und zwar so sehr, dass der Strahl sie sich derart gleich gestalten und zum Leuchten bringen würde, wenn sie ganz sauber und rein wäre, dass sie selbst als Strahl erschiene und genauso viel Licht abgäbe wie der Strahl. Trotzdem behält die Glasscheibe in Wirklichkeit ihre vom Sonnenstrahl unterschiedene Natur bei, auch wenn sie dem Sonnenstrahl selbst gleicht; doch wir können sagen, dass diese Scheibe Sonnenstrahl oder Licht durch Teilhabe ist.
Und so wie diese Glasscheibe ist die Menschenseele, auf die dieses göttliche Licht von Gottes Wesen naturbedingt … immerfort stößt, oder besser gesagt, in der es wohnt …
Eine solche Gotteinung ergibt sich, sobald Gott dem Menschen diese übernatürliche Gnadengabe gewährt, dass alles, was Gottes ist, und der Mensch eins werden in dieser Gleichgestaltung durch Teilhabe. Und der Mensch erscheint mehr als Gott denn als Mensch, ja er ist sogar Gott durch Teilhabe, auch wenn in Wirklichkeit sein Wesen naturbedingt genauso vom Wesen Gottes unterschieden ist wie vorher, obwohl es ihm gleich gestaltet ist, so wie auch die Glasscheibe vom Sonnenstrahl unterschieden ist, wiewohl sie von ihm zum Leuchten gebracht ist."
Quelle: Johannes vom Kreuz: Aufstieg auf den Berg Karmel, 1. Buch, Kap. 2: in: Gesammelte Werke, Bd. 4, hrsg., übersetzt und eingeleitet von U. Dobhan, E. Hense, E. Peeters. Herder, Freiburg - Basel - Wien 1999, S. 58 - 60 Johannes vom Kreuz: Aufstieg auf den Berg Karmel, 1. Buch, Kap. 13. ebda., S. 117 Johannes vom Kreuz: Aufstieg auf den Berg Karmel, 2. Buch, Kap. 4. ebda., S. 133 f Johannes vom Kreuz: Aufstieg auf den Berg Karmel, 2. Buch, Kap. 5. ebda., S. 142 f
Leitsätze für das christliche Leben von Johannes vom Kreuz:
"Sich bemühen, immer in der Gegenwart Gottes zu wandeln, in der wirklichen oder in der vorgestellten oder in der einigenden, je nachdem, wie es sich mit den Werken verträgt."
"Nichts tun und kein nennenswertes Wort sprechen, das Christus nicht spräche oder täte, wenn er sich in dem Stand befände, in dem ich mich befinde."
"Bemühen Sie sich in allen Dingen um die größere Ehre und Verherrlichung Gottes." "Wegen keiner Beschäftigung das innere Gebet unterlassen, denn es ist Nahrung für die Seele."
"In allen Dingen, hohen und niedrigen, möge Gott Ihr Ziel sein."
"Immer mögen Sie daran denken, dass alles, was Ihnen zustößt, sei es Gutes oder Schlechtes, von Gott kommt, damit Sie beim einen nicht überheblich, beim anderen nicht mutlos werden."
"Denken Sie immer daran, dass Sie zu nichts anderem gekommen sind, als um heilig zu werden."
Quelle: Johannes vom Kreuz; Worte von Licht und Liebe - Briefe und kleinere Schriften, hrsg., übersetzt und eingeleitet von U. Dobhan, E. Hense, E. Peeters. Herder, Freiburg - Basel - Wien 1996, S. 170 - 173
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB, Benediktinerabtei Schäftlarn, für die Katholische SonntagsZeitung
Bild im Kloster der Karmelitinnen in Cerro de los Angeles nahe Getafe 




