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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel


Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Dem Nächsten dienen und ihn wie ein Kind aufnehmen, statt Machtkampf

Liebe Schwestern, liebe Brüder, der Kampf um Macht beginnt nicht erst heute. Er ist so alt wie die Menschheit. Er bringt aber nichts Gutes, sondern Streit miteinander, Eifersucht und Unzufriedenheit. Die Menschen übersehen den wahren menschlichen Wert in ihrem Mitmenschen, wo Machtkampf herrscht, und sehen einander nur noch als Wettbewerber und Gegner. Die zweite Lesung warnt vor solcher Streitigkeit: „Schwestern und Brüder! Wo Eifersucht und Streit herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art.“

Leider waren auch die Jünger Jesu in einem solchen Streit. Sie hatten miteinander darüber gestritten, wer unter ihnen der Größte sei. In diesem Streit steckt die Haltung des Wettbewerbs, wobei sich jeder mit dem anderen misst. Aber Jesus sagt, nein! Solche Streitigkeiten sollen nicht unter seinen Jüngern und unter uns herrschen. Was soll unter uns herrschen? Jeder soll sich als den Letzten und als Diener aller anderen ansehen und soll seinen Gegenüber wie ein Kind aufnehmen.

Erst einmal, der Letzte zu sein und Diener aller! Was bedeutet das dann? Das ist keine passive Demutsgeste, sondern der Schritt in die Verantwortung für andere. Jeder von uns ist einzigartig geschaffen und mit wunderbaren unwiederholbaren Gaben beschenkt. Und diese Gaben vermehren und entfalten sich, wenn wir sie im Dienst für unsere Mitmenschen einsetzen.

Nun zum zweiten, den anderen aufnehmen. Jesus stellt seinen Jüngern ein Kind vor und dieses Kind vertritt die Person des Nächsten. Warum wählt Jesus ein Kind? Ein Kind aufzunehmen und sich um dieses Kind zu kümmern, ist nicht nur eine große Verantwortung und eine das ganze Leben beeinflussende, prägende Aufgabe, sondern das Kind ist auch ein himmlisches Geschenk, durch das wir unsere Menschlichkeit entdecken und stärken können.

Weil das Kind schutzbedürftig und verletzlich ist, und wir aufpassen müssen, dass wir ihm nicht wehtun und es im Leben in der Entwicklung behindern, ist es eine große Verantwortung, ein Kind aufzunehmen. Jesus meint also, dass wir jedem Nächsten, ob er alt oder jung, ob unsympathisch oder nicht, ob wir ihn kennen, gut kennen, ein bisschen oder gar nicht, wir sollen ihn auf jeden Fall freundlich behandeln und respektvoll sein. Denn auch jeder von uns ist schutzbedürftig und verletzlich.

Zudem ist ein Kind unschuldig. Und so meint Jesus, dass wir dem Nächsten helfen sollen, unschuldig zu bleiben; wir sehen in ihm Gottes Abbild und helfen ihm, seine Stärken zu entwickeln, wir bleiben auch bei Problemen freundlich, versuchen den Frieden zu finden, den offenen Dialog, das geduldige Gespräch und strengen uns an, nicht zu vergelten und nicht nachtragend zu sein.

So wie Gott uns für unschuldig erklärt, indem er uns nicht mit Blick auf unsere Vergangenheit und Fehler verurteilt, sondern im Blick darauf, was wir durch seine Hilfe und Kraft können, und wenn wir in Gemeinschaft mit ihm so werden können, ist es uns auch möglich, einander so anzusehen. Als Menschen also, die nicht auf ihre Vergangenheit, Fehler und Unerfahrenheit reduziert werden, sondern als Menschen, die mit unserer Hilfe das Gute können und eine erstrebenswerte Zukunft entdecken.

Ich denke, meine lieben Schwestern und Brüder, da haben wir eine schöne – wenn auch nicht immer leichte – Verantwortung füreinander bekommen. Eine Verantwortung, die unsere Menschlichkeit stärkt und unsere Welt verbessert. Wir können Gott bei uns aufnehmen, wenn wir menschlich sind. Wenn wir denen beistehen, die unsere Hilfe brauchen. So einfach ist es und manchmal doch auch so schwer. Aber, Gott steht uns mit seiner helfenden Gnade bei.



Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die zweite Ankündigung von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu

Mk 9,30-37

In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren.

Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.

Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.

Ein Mann und eine Frau kümmern sich um 2 Kinder. Sie gehen im Park spazieren.
Foto: Michael Drager, by Fotolia
Dient einander in Liebe!

Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei.

Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:

Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.













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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276