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Der Heilige

Eustachius,

Märtyrer, Nothelfer


† 20. September 118 (?) in Rom

… aus ihrem Leben!

Als historische Person, aus der Eustachius' Legende wuchs, sehen manche Ausleger den verbannten Patriarchen Eustathios von Antiochia. Die Legende von der wunderbaren Bekehrung und den Leiden des Eustachius und seiner ganzen Familie nach dem Urbild von Ijob kam aus dem Orient über Griechenland und Süditalien im frühen 11. Jahrhundert in den Westen, in Rom war der Name schon im 8. Jahrhundert bekannt. Die Überlieferung allerdings berichtet, dass schon zu Zeiten von Kaiser Konstantin „dem Großen” über Eustachius' Haus - an der Stelle der heutigen Kirche San Eustachio - in Rom ein Oratorium errichtet wurde; 795 stand dort eine Kirche, die als Zentrum der caritativen Arbeit galt; 1195/1196 wurde diese völlig neu errichtet. Die älteste Version der Legende ist in der griechischen Prosaredaktion aus dem 8. Jahrhundert erhalten, die lateinische Übertragung aus dem 10. Jahrhundert fand weite Verbreitung und blieb auch in elf altfranzösischen Bearbeitungen und vier altfranzösischen Prosaversionen erhalten, welche Elemente des antiken griechischen Abenteuerromans verwenden.


Legenden oder Worte der Heiligen

Legende vom heiligen Eustachius

Tivoli ist eine kleine Stadt, nahe bei Rom, berühmt durch ihren prachtvollen Wasserfall. Diesen Wasserfall bringt der Anio hervor, der von den Sabinerbergen kommt und dann ganz plötzlich etwa hundert Meter tief hinabstürzt, um sich ein neues Bett zu suchen. Heutzutage wird diese Wasserkraft ausgenützt, um die Elektrizität zu produzieren, von der die Stadt Rom abhängt. Seit mehr als 2000 Jahren ist dieser schöne Ort wegen seiner Lage berühmt. Einer der römischen Kaiser hatte hier ein Landhaus mit 10 Hektar Grund dabei. Um diese Zeit und noch lange nachher war Tivoli eine Gegend, die besonders gute Jagdgelegenheit bot; es gab da vielerlei wilde Tiere, die in Wäldern und Bergen herumstreiften.

Etwa hundert Jahre nach Unseres Herrn Geburt kam ein Mann dahin, um sich an der Jagd zu erfreuen. Er hieß Plazidus (der Gelassene), obwohl sein Leben bis dahin alles andere als „gelassen“ verlaufen war. Jahrelang war er mit seinen Soldaten marschiert und hatte fast überall im weiten römischen Reich gekämpft. Er war einer von Hadrians Generalen, und dieser Kaiser führte immer gegen irgendjemand und irgendwo Krieg, in Spanien, in Deutschland, im Osten. Und wo immer Hadrian war, da sah man auch Plazidus an der Spitze seiner Legionen. Nun endlich sollte er einen langen Urlaub haben, und er war fest entschlossen, das Beste daraus zu machen!

Als Plazidus nach Tivoli kam, fand er die Vorbereitungen zur Jagd in vollem Gange. Da er ein Mann von bedeutendem Einfluss war, wurde er allgemein sehr gut empfangen. Beritten auf einem der besten Pferde aus den königlichen Ställen, den Speer in der Faust, schlug er den Weg zum Wald ein. Als römischer Soldat war er unerschrocken und völlig furchtlos im Augenblick einer Gefahr, er war aber auch ein sehr stolzer Mann und fest entschlossen, Ruhm zu gewinnen, noch ehe der Tag vorüberginge. Als daher die Jagd begann, beachtete er gar nicht die gewöhnlichen Tiere, die seinen Weg kreuzten, sondern er suchte nach einem Wild, das seiner würdig wäre.

So ließ er seine Jagdgesellen bald alle hinter sich. Er drang in den tiefsten Wald und trieb sein Pferd zu großer Schnelligkeit an. Nicht lange, und sein Ehrgeiz fand ein Ziel. Noch in weiter Ferne sah er, aus dem Unterholz hervorbrechend, einen der stärksten Hirsche, der ihm je begegnet war. Es war ein Zwanzigender, sein Geweih 90 cm lang, so dass das ganze Tier 2,40 Meter in der Höhe maß. Was aber Plazidus verblüffte, war, dass dieser Hirsch, anstatt zu flüchten, stehen blieb und nun unmittelbar vor ihm stand. Das Pferd war in ruhigen Schritt gefallen und jetzt weigerte es sich überhaupt, weiter voran zu gehen. Mit einem Sprung war der Jäger auf dem Boden und drang auf seine Beute ein.

Er kam nah heran und wollte eben seinen Speer schleudern, als etwas geschah, das ihn gänzlich vergessen ließ, was er vorhatte. Bei starken Hirschen bildet das Geweih über dem Haupt des Tieres eine Art Fassung: als nun Plazidus den Hirsch, den er bis in die Wildnis verfolgt hatte, näher betrachtete, sah er in diesem Rahmen „ein großes und herrliches Abbild Unseres Herrn, an Seinem Kreuze hängend“. Und ein Strahl der untergehenden Sonne fiel voll auf diese Gestalt und umgab sie mit hellem, geheimnisvollem Glanz. Obwohl er ein Heide war – Plazidus fiel auf die Knie und bat Gott, ihn ab jetzt zu führen, er bat darum, ab sofort nur noch Jesus Christus zu dienen.

Das weitere ist bekannt. Plazidus hat nie mehr gejagt. Er verließ das Heer und wurde Christ, in der Taufe erhielt er den Namen Eustachius. Es heißt, er habe sich durch seine große Liebe zu den Armen ausgezeichnet.

Bald nach diesen Geschehnissen setzte eine neue Christenverfolgung ein, und als Eustachius sich weigerte, den Göttern zu opfern, wurde er hingerichtet.


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