Anna Katharina Emmerick, h1>
Nonne, Mystikerin
* 8. September 1774 in Coesfeld in Nordrhein-Westfalen
†9. Februar 1824 in Dülmen in Nordrhein-Westfalen
… aus ihrem Leben!
Vor vielen Jahren geschah es, dass einmal in dem Weiler Flamske bei Coesfeld in Westfalen ein kleiner Bauersmann, der eine geschickte Hand hatte, einem Nachbarn aus Gefälligkeit eine wackelige Holzbank ausbesserte und sie zum Teil mit neuen Brettern aus dem eigenen Besitz wiederherstellte. Dabei fielen Späne von den alten und den neuen Brettern. Ein siebenjähriges Mädchen, des schreinernden Mannes Tochter Anna Katharina, sammelte die Späne für den Hausbrand. Das Kind hob jedoch nur die Späne von den neuen Brettern auf und ließ die Späne von den alten Brettern liegen. Erstaunt beobachtete der Vater Anna Katharinas Tun und fragte, warum sie denn nicht alle Späne sammle. Darauf entgegnete die Angeredete, das tue sie deswegen nicht, weil die Späne von den alten Brettern doch nicht ihnen, sondern dem Nachbarn gehörten. Bei dieser Antwort schüttelte der Vater den Kopf, blickte betroffen die Mutter an und sprach: „Was haben wir doch ein wunderliches Kind!“
Besser hätte der Mann getan, wenn er gesagt hätte: „Was haben wir doch ein Wunderkind!“, denn wenn ein Kind eine solche Zartheit des Gewissens besitzt, wie sie Anna Katharina bei dem erwähnten Vorfall an den Tag legte, so ist das nicht wunderlich, sondern wundervoll.
Anna Katharina Emmerick war aber nicht nur wegen ihrer Ehrlichkeit, sondern ganz allgemein ein Wunderkind. Im Jahre 1774 wurde sie am Fest Mariä Geburt geboren, und gleich nach der Taufe erhielt sie als eine besondere Gnade Gottes den vollen Gebrauch der Vernunft. Die Engel spielten mit dem Kind. Gemeinsam sammelten sie Blumen auf den Wiesen und am Rand der Getreidefelder, wanden sie zu Kränzen und brachten die Kränze dem Jesuskind und seiner Mutter. Das alles sah Anna Katharina mit ihren hellen begnadeten Augen. Zuweilen begegnete ihr auch der kreuztragende Heiland, und die Armen Seelen umschwebten sie als leuchtende Flämmchen, und von all diesen Dingen plauderte Anna Katharina arglos, denn sie war der Meinung, dass alle Menschen ohne Ausnahme sähen, was sie allein schauen durfte. Erst als sie merkte, dass es sich nicht so verhielt, sprach sie auch nicht mehr von den Schauungen.
Früh musste Anna Katharina kräftig bei der Arbeit helfen. Weil auch der Vater ein frommer Mann war, beteten die beiden häufig miteinander. Wenn sie beim Ackern wendeten oder ein Weilchen ruhten, wies der Vater auf den Kirchturm hin und sagte: „Da wollen wir den lieben Heiland im Sakrament von weitem grüßen, und dann grüßt er auch uns und segnet unsere Arbeit.“
Nachdem Anna Katharina im Alter von sieben Jahren die erste heilige Beichte abgelegt hatte, erschien ihr immer häufiger der kreuztragende Heiland und forderte sie auf, ihm das Kreuz tragen zu helfen. Gern war sie dazu bereit, und es kamen daher mancherlei Beschwerden über sie, wie Kopf- und Zahnschmerzen, die sie zur Sühne für die Sünden der Menschen geduldig ertrug. Auch zähmte sie die Gaumenlust, indem sie auf Speisen, die ihr gut schmeckten, verzichtete, und weil sie ein solch gutes Herz hatte, dass sie keinen Menschen leiden sehen konnte, bat sie Gott, ihr die Krankheiten der anderen aufzulegen, was dann auch oft eintrat.
Als Anna Katharina mit vierundzwanzig Jahren einst in der Kirche betete, trat der göttliche Heiland sichtbar auf sie zu und bot ihr zur Wahl einen Blumen- und einen Dornenkranz. Sofort griff sie zu dem Dornenkranz, und von diesem Augenblick an wurde sie die Leidensbraut des Herrn; sie empfing, allen sichtbar, die heiligen Wundmale und hat bis zu ihrem Tod am 9. Februar 1824 unerhörte Schmerzen ausstehen müssen. Es geschah das zur Sühne für die Sünden der Welt in Vereinigung mit dem bitteren Leiden des lieben Heilandes, an das uns die Fastenzeit eindringlich erinnert.
Am 3. Oktober 2004 waren viele Blicke nach Rom gerichtet: Anna Katharina Emmerick, die "Mystikerin des Münsterlandes", wurde von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Legenden oder Worte der Heiligen
Worte der Seligen
Anna Katharina Emmerick berichtet von einer Vision, die ihr zeigte, wie und warum Gebete unterschiedlich erhört oder nicht erhört werden:
Ich war in einem großen, leuchtenden Raume, der sich, je länger ich in die Runde sah, um so mehr erweiterte. Mir wurde gezeigt, wie es mit unseren Gebeten vor Gott beschaffen ist. Sie wurden wie auf große weiße Tafeln aufgezeichnet, und sie schienen in vier Klassen abgeteilt. Einige Gebete wurden mit prächtigen goldenen Buchstaben aufgeschrieben, andere mit silberglänzender Farbe, andere mit dunkler, und wieder andere mit schwarzer Farbe, und durch diese wurde ein Strich gezogen. Ich sah dies mit Freude an; doch war mir bang, dass ich dies zu schauen nicht würdig sei, und wagte kaum, meinen Führer zu fragen, was dies alles bedeute. Er gab mir zur Antwort:
Was aufgezeichnet ist mit goldenen Buchstaben, ist das Gebet derjenigen, die ihre guten Werke ein für allemal mit den Verdiensten Jesu Christi vereinigt haben und diese Vereinigung öfter erneuern; die dabei aber auch sich sehr angelegen sein lassen, seine Gebote zu halten und sein Beispiel nachzuahmen. Was aufgezeichnet ist mit Silberglanz, ist das Gebet jener, die an diese Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi nicht denken, die aber doch fromm sind und in der Einfalt des Herzens beten. Was mit dunkler Farbe aufgeschrieben ist, ist das Gebet derer, die nicht ruhig sind, wenn sie nicht oft beichten und kommunizieren und täglich gewisse Gebete verrichten, die dabei aber doch lau sind und das Gute nur aus Gewohnheit tun. Was endlich mit schwarzer Farbe geschrieben und wieder durchstrichen wird, ist das Gebet solcher, die ihr ganzes Vertrauen auf mündliche Gebete und auf ihre vermeintlich guten Werke setzen, aber die Gebote Gottes nicht achten und ihren bösen Begierden keine Gewalt antun. Dies Gebet hat kein Verdienst vor Gott, darum wird es durchstrichen. So werden auch die guten Werke jener durchstrichen, die sich zwar viele Mühe geben, etwas Gutes zu stiften, dabei aber ihre Ehre und zeitliche Vorteile im Auge haben.
Sie erfährt in Visionen auch, welche Kraft das fürbittende Gebet hat, da sich hier die Gemeinschaft der Heiligen
, der noch lebenden und der schon bei Gott weilenden vereint:
Rings um die Mitte, in der ich stand, erschienen durchsichtig im unbegrenzten Raume Geisterscharen in Chören. Es waren nicht eigentlich Heilige, es schienen betende Seelen, welche von unten und oben nahmen und austauschten. Sie nahmen Gebet, sie beteten, sie hüteten und flehten Hilfe von höheren Chören herab, welche auf ihr Flehen aus höheren Regionen Hilfe sendend bald mehr, bald weniger ins Licht traten. Die Höheren waren die Heiligen. Die mich Umgebenden schienen Seelen, welche der Herr bestimmt, allerlei Gefahren der Erde zu sehen und Hilfe zu erflehen. Jedes Amt, jeder Stand auf Erden schien da seine betenden Seelen zu haben. Alles um mich her war im wohltätigen Wirken; ich betete auch, denn ich sah tausend Not, und Gott sendete auch Hilfe durch seine Heiligen, und die Wirkung war augenblicklich durch unerwartet eintretende Hindernisse des Übels, scheinbare Zufälligkeiten, Sinnesänderung u. dgl. So sah ich z. B. todkranke, unbußfertige Menschen auf Gebet sich bekehren, das Sakrament empfangen. Ich sah Leute gefährlich stürzen, ins Wasser fallend auf Gebet gerettet werden, und immer, als wäre es schier unmöglich gewesen. Ich sah, was einzelnen Verderben bringen sollte, wie durch eine Hacke hinweggerissen durch Gebet, und bewunderte die Gerechtigkeit Gottes. …
Mein Führer ermahnte mich wieder zu beten und alle meine Bekannten zum Gebet für die Bekehrung der Sünder und besonders um Glauben und Festigkeit für die Priesterschaft zu bitten; denn es stehe eine sehr schwere Zeit bevor. Die Verwirrung werde immer größer werden.
Quelle: Anna Katharina Emmerich: Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes. Aus den Tagebüchern des Clemens Brentano zusammengestellt von P. Karl Erhard Schmöger, 13- Aufl. Stein am Rhein, 1993, S. 254 - 256
Zitate von Anna Katharina Emmerick:
Mein Bräutigam zeigte mir, wie er von seiner Empfängnis an bis zu seinem Tode gelitten und immer gesühnt und genuggetan habe. Und ich sah dieses in lauter Bildern seines Lebens. Ich sah auch, wie durch Gebet und Aufopferung von Schmerzen für andere manche Seele, welche auf Erden gar nicht gearbeitet, noch in der Todesstunde zur Bekehrung gebracht und gerettet werden kann.
Endlich war es, als sähe ich einen Ort, der sehr groß war, und als liege er mehr zutage. Es war wie das Bild einer Stadt aus unserem Weltteil. Da wurde mir ein schreckliches Schauspiel gezeigt. Ich sah unsern Herrn Jesus Christus gekreuzigt werden. Ich zitterte durch Mark und Bein; denn es waren lauter Menschen aus unserer Zeit. Es war eine weit ärgere und grässlichere Marter des Herrn als zur Zeit der Juden. Gott sei Dank, es war nur ein Bild.
jetzt mit dem Herrn umgehen, wenn er noch leiden könnte.So würden sie
, sagte mein Führer,
Bestürzend klar sah sie auch das größte Unheil der Geschichte im 20. Jahrhundert voraus: In der Mitte war ein Abgrund von Nacht. Lucifer ward gefesselt in diesen geworfen, und es brodelte schwarz um ihn. … Ich hörte, dass Lucifer, wenn ich nicht irre, 50 oder 60 Jahre vor dem Jahre 2000 nach Christus wieder auf eine Zeitlang solle freigelassen werden.
Quelle: Anna Katharina Emmerich: Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes. Aus den Tagebüchern des Clemens Brentano zusammengestellt von P. Karl Erhard Schmöger, 13- Aufl. Stein am Rhein, 1993, S. 213, 217, 319
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung
Gabriel Cornelius von Max: Die ekstatische Jungfrau Anna Katharina Emmerick, München 1885 




