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Die Heilige

Monika,

Mutter

* um 332 in Thagaste in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien
† im Oktober (?) 387 in Ostia in Italien

… aus ihrem Leben!

Von der hl. Monika wissen wir nur, was ihr Sohn, der hl. Augustinus, in seinen „Bekenntnissen“ über sie berichtet. Sie wurde um 332 in Tagaste in Nordafrika als Tochter christlicher Eltern geboren und heiratete mit achtzehn Jahren den Heiden Patricius. Der Ehe entsprossen drei Kinder, von denen Augustinus das älteste war. Monika begleitete seine Entwicklung mit Freude und auch mit Sorge. Sie beweinte seine sittlichen und geistigen Irrwege und hörte nicht auf, ihn liebevoll zu ermahnen. Ein Bischof tröstete sie: „Es ist nicht möglich, dass ein Sohn so vieler Tränen verloren geht.“ Nach dem Tod ihres Mannes, der sich noch zum Christentum bekehrt hatte, folgte sie ihrem Sohn nach Rom und dann auch nach Mailand, wo er eine Professur angenommen hatte. Dort durfte sie erleben, wie Augustinus sich unter dem Einfluss des hl. Ambrosius von der manichäischen Irrlehre abwandte und sich taufen ließ. Im Herbst 387 wollten beide über Rom nach Afrika zurückkehren. Auf der Reise starb Monika, 56 Jahre alt, in Ostia bei Rom. Sie ist in S. Agostino in Rom begraben.


Giovanni Gattardi: Monika (rechts) vor Maria, die Augustinus (links) ihren Gürtel überreicht 1, Altarbild, um 1760, in der Kirche Sant'Agostino in Rom
Joachim Schäfer - heiligenlexikon.de

Legenden oder Worte der Heiligen

Worte über die Heilige

Der Adressat der Bekenntnisse des Augustinus ist Gott selbst, auch bei der Wiedergabe des letzten Gespräches mit seiner Mutter Monika:
Als nun der Tag herannahte, an dem sie aus diesem Leben scheiden sollte - Du kanntest ihn, wir kannten ihn nicht -, da traf sich's, wie Du auf deine geheime Weise es wohl gefügt, dass wir beide, ich und sie, allein an ein Fenster gelehnt dastanden. … Da führten wir miteinander Aug in Auge ein herzerquickendes Gespräch. Vergessend, was hinter mir liegt, und ausgestreckt nach dem, was vor mir ist [vgl. Philipperbrief 3, 13], fragten wir uns vor dir, der Du die Wahrheit bist, wie wohl das ewige Leben der Heiligen sein werde, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist [1. Korintherbrief 2, 9]. Durstig öffneten wir unseres Herzens Mund den hoch daherströmenden Wassern Deiner Quelle, der Quelle des Lebens, die bei Dir ist [Psalm 36, 10], auf dass wir von ihr getränkt, soweit uns vergönnt, das hohe Ziel mit sinnenden Gedanken erreichen möchten.
Nachdem wir uns darüber klargeworden, dass fleischliche Sinnenlust, so groß sie auch sein und so hell sie auch im Erdenlicht erstrahlen mag, mit den Wonnen jenes Lebens keinen Vergleich aushalten, ja nicht einmal der Erwähnung wert sein kann, erhoben wir uns mit heißerem Verlangen zu Ihm selbst. Wir durchwanderten von Stufe zu Stufe die ganze Körperwelt und auch den Himmel, von dem Sonne, Mond und Sterne auf die Erde niederscheinen. Bald in stillem Sinnen, bald Worte wechselnd und deine Werke bewundernd, stiegen wir weiter empor und kamen in das Reich unserer Seelen. Auch dieses durchschritten wir und gelangten endlich zu dem Lande unerschöpflicher Fülle, wo du Israel auf grüner Aue der Wahrheit ewig weidest. Da ist Leben Weisheit, jene Weisheit, durch die alles wird, auch was einst war und künftig sein wird; aber sie selbst wird nicht, sondern ist so, wie sie war, und wird immer so sein. Vielmehr, in ihr war nichts und wird auch nichts sein, sondern in ihr gibt's nur Sein, denn ewig ist sie. Aber gewesen sein und künftig sein, ist nicht ewig. Und da wir von ihr sprachen und nach ihr seufzten, berührten wir sie mit vollem Schlage unseres Herzens ein kleines wenig, atmeten tief auf und ließen dort angeheftet die Erstlinge unseres Geistes [Römerbrief 8, 13]. Dann kehrten wir zurück zum tönenden Laut unserer Sprache, wo die Worte Anfang und Ende haben. …
Du aber weißt, Herr, dass meine Mutter an jenem Tage, als wir so miteinander redeten und die Welt mit allen ihren Freuden jeglichen Reiz für uns verlor, das Wort ergriff und sagte: Mein Sohn, was mich anlangt, so freut mich jetzt nichts mehr in diesem Erdenleben. Was ich hier noch tun und wozu ich hier noch bleiben soll, ich weiß es nicht, denn weltliche Hoffnungen gibt's für mich nun nicht mehr. Das einzige, weswegen ich noch eine Weile zu leben gewünscht, war: Ich wollte vor meinem Tode dich gern noch als katholischen Christen sehen. Das hat mir Gott überreichlich gewährt, denn nun sehe ich, du bist sein Knecht und hast auch allem Erdenglück entsagt. Was denn soll ich hier noch?
Bald darauf, es mochten fünf Tage oder wenig mehr verstrichen sein, erkrankte sie am Fieber. Als sie nun krank lag, erlitt sie eines Tages einen Ohnmachtsanfall und verlor für kurze Zeit das Bewusstsein. Wir eilten herbei, aber bald kam sie wieder zu sich, sah mich und meinen Bruder dastehen und richtete an uns die verwunderte Frage: Wo war ich denn? … Begrabt meinen Leib, wo es auch sei, und macht euch keine Gedanken darum. Nur um eins bitte ich euch, gedenkt meiner, wo immer ihr euch aufhalten mögt, am Altar des Herrn. …
So ward denn am neunten Tage ihrer Krankheit, im sechsundfünfzigsten Jahre ihres Lebens und meinem dreiunddreißigsten, diese fromme und gläubige Seele von den Banden des Leibes erlöst. Ich drückte ihr die Augen zu, und unsägliche Trauer brach über mein Herz herein.

Quelle: Augustinus: Bekenntnisse, übertragen von Wilhelm Thimme. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1977, S. 250 - 255

Zitate über Monika:

Ein Traum tröstet Monika in ihrer Trauer über die Irrwege ihres Sohnes:
Sie sah sich also im Traum auf einem hölzernen Richtscheit stehen, ganz in Kummer und Traurigkeit versunken. Da nahte sich ihr, heiter lächelnd, ein lichtstrahlender Jüngling und fragte sie, wie man zu fragen pflegt, wenn man Rat geben, nicht bloß Neugier befriedigen will, nach der Ursache der Traurigkeit und ihrer täglichen Tränen. Auf ihre Antwort, sie klage um mich, ihren verlorenen Sohn, hieß er sie ganz ruhig sein. Sie möge achtgeben und zuschauen, wo sie selber sei, da stehe auch ich. Als sie nun aufblickte, sah sie mich tatsächlich neben ihr auf demselben Richtscheit stehen. Woher nun dieser Traum? Deine Ohren waren ihrem Herzen nah, o du Gütiger, Allmächtiger, der du um jeden von uns dich kümmerst, als wäre er der einzige, und um die ganze Menschheit, als wären's lauter einzelne.

Ein weiterer Trost war für sie das Wort eines Bischofs:
Meine Mutter hatte ihn gebeten, er möge mich einer Unterredung würdigen, meine Irrtümer widerlegen, vom Bösen mir ab- und zum Guten mir zureden. Das tat sie nämlich auch sonst, wenn sie jemanden fand, der hierzu taugte. Aber jener lehnte ab, und zwar wohlweislich, wie ich später eingesehen habe. Er antwortete, ich sei noch zu ungelehrig, berückt durch die Neuheit jener Ketzerei. … Lass ihn nur, sagte er, wo er ist, und bete für ihn zum Herrn. Er wird selbst durch Forschen zur Einsicht kommen und erkennen, in welch einem Irrtum er befangen und wie groß seine Gottlosigkeit ist. … Als nun meine Mutter sich durch diese Worte nicht beruhigen lassen wollte, sondern fortfuhr, ihn mit reichlichen Tränen nur noch mehr zu bestürmen, er möge mich doch aufsuchen und mit mir reden, wurde er beinahe ärgerlich und sprach: Geh weg! So wahr du lebst, ein Sohn so vieler Tränen kann nicht verlorengehen. Sie aber nahm dies auf - im Gespräch mit mir hat sie oft dessen gedacht -, als sei es eine Stimme vom Himmel gewesen.

Quelle: Augustinus: Bekenntnisse, übertragen von Wilhelm Thimme. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1977, S. 87 - 89

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung


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