Stephan von Ungarn, h1>
König von Ungarn
* um 973 in Gran, heute Esztergom in Ungarn
†15. August 1038 in Székesfehérvár in Ungarn
… aus ihrem Leben!
Stephan wurde um 969 als Sohn des Arpadenfürsten Geisa geboren, von dem das bezeichnende Wort überliefert ist: „Ich bin reich genug, um den Göttern zu opfern und zugleich dem christlichen Gott zu dienen.“ Die Begegnung mit dem hl. Adalbert von Prag, von dem er vermutlich gefirmt wurde, machte auf Stephan einen tiefen Eindruck. Er heiratete 995 Gisela, die Schwester Kaiser Heinrichs II., und regierte von 997 an in Ungarn als Nachfolger seines Vaters. Zu seiner Krönung im Jahr 1000 sandte Papst Silvester II. die heute noch vorhandene und nach diesem König benannte Stephanskrone. Stephan war ein vorbildlicher christlicher Herrscher. Er befreite in seinem Land Sklaven, schuf eine kirchliche Organisation, stiftete Kirchen und Schulen. Er starb am 15. August 1038, ohne jedoch sein Werk, die Christianisierung Ungarns, gesichert zu sehen. Er wurde neben seinem Sohn, dem hl. Emmerich, in Stuhlweißenburg begraben.
Quelle: erzabtei-beuron.de
Gyula Benczúr: Taufe des Stephan, 1875, Ungarische Nationalgalerie in BudapestJoachim Schäfer, www.heiligenlexikon.de
Legenden oder Worte der Heiligen
Worte des Heiligen
Aus dem Mahnschreiben an seinen Sohn:
Mein Sohn, wenn du der Königskrone Ehre machen willst, befehle und rate ich dir, den katholischen und apostolischen Glauben gewissenhaft und sorgsam zu wahren, damit du allen, die Gott dir als Untertanen anvertraut hat, ein gutes Beispiel gibst und dich alle Männer der Kirche mit Recht einen wirklichen Mann des christlichen Bekenntnisses nennen können. Denn ohne dieses Bekenntnis, dessen bin ich sicher, bist du kein Christ und kein Sohn der Kirche. Im Königspalast hat die Kirche nach dem Glauben den zweiten Rang; denn sie wurde von Christus, unserem Haupt, gegründet, dann durch seine Apostel und die heiligen Väter weiter verbreitet, gefestigt und über den ganzen Erdkreis ausgedehnt. Obgleich sie immer neue Nachkommen hervorbringt, ist sie doch an manchen Orten schon eine alte Kirche.
Doch in unserem Reich, lieber Sohn, gilt sie immer noch als ganz jung und neu. Sie braucht darum eine besonders kluge und umsichtige Betreuung. Das Gute, das Gott uns in seiner Barmherzigkeit ohne unser Verdienst gewährt hat, darfst du nicht durch Trägheit, Unlust und Nachlässigkeit zerstören.
Geliebter Sohn, Freude meines Herzens, du Hoffnung derer, die nach uns kommen, ich bitte dich und gebiete dir: Sei nicht nur gütig gegen Verwandte und Angehörige, gegen Fürsten, Führer und reiche Leute, sondern auch gegen Fremde und alle, die zu dir kommen. Taten der Güte führen dich zur höchsten Glückseligkeit. Sei gnädig gegen alle, die Gewalt erleiden, und erwäge dabei immer das Beispiel des Herrn in deinem Herzen: Liebe will ich, nicht Schlachtopfer
(Hosea 6, 6). Habe Geduld nicht allein mit den Mächtigen, sondern auch mit dem Machtlosen.
Sei stark, damit das Glück dich nicht übermütig und das Unglück nicht niedergeschlagen macht. Sei demütig, damit Gott dich erhöht, jetzt und in Zukunft. Sei maßvoll, strafe und verurteile nicht maßlos. Sei milde, damit du niemals der Gerechtigkeit widerstreitest. Sei edel und kränke keinen unbedacht. Sei schamhaft und meide üble Begierden wie den Stachel des Todes.
Aus all dem, was ich gesagt habe, setzt sich die Königskrone zusammen. Ohne all das kann niemand hier auf Erden herrschen, niemand zum ewigen Reich gelangen.
Quelle: Stephan von Ungarn: Monita ad filium, c. 1.2.10. In: Patrologia Latina 151, Sp. 1236 f, Sp. 1242 ff; zitiert nach: Monastisches Lektionar zum 16. August; eigene Übersetzung
Weitere Zitate aus dem Mahnschreiben:
Wenn du das Schild des Glaubens behältst, besitzt du auch den Helm des Heils. Denn mit diesen Waffen wirst du recht gegen die unsichtbaren und sichtbaren Feinde kämpfen können.
Wenn du die Ehre der Königsherrschaft haben willst, dann liebe die Gerechtigkeit! Wenn du deine Seele besitzen willst, dann sollst du geduldig sein! … Fürchte dich, Richter zu sein, aber freu dich, König zu sein und zu heißen. Geduldige Könige üben eine Königsherrschaft aus, ungeduldige eine Tyrannei.
Es bringt Nutzen Gäste und Fremde [aufzunehmen]. … Wie nämlich [einst] aus den verschiedenen Teilen der [römischen] Provinzen die Gäste kommen, so bringen sie unterschiedliche Sprachen und Gewohnheiten, unterschiedliche Lehren und Waffen mit sich, die alle den Königshof zieren und groß machen, die auswärtigen (Völker) in ihrem Hochmut aber in Schrecken versetzen. Denn ein Reich, das nur eine Sprache, eine Sitte kennt, ist schwach und kraftlos. Darum weise ich dich, mein Sohn, an, für sie mit gutem Willen zu sorgen und sie in Ehren zu halten, damit sie lieber bei dir verweilen, als dass sie sich anderswo niederlassen.
Durch Einholung von Rat werden Könige eingesetzt, Königreiche regiert, die Heimat verteidigt, Kämpfe beigelegt, der Sieg errungen, Feinde abgewehrt, Gemeinwesen errichtet und die Lager der Gegner zerstört. Denn Beratung bringt Nutzen.
Die treue Pflege des Gebets ist für das Wohl des Königs ausschlaggebend. … [Bete,] dass Gott so gnädig sei, alle Laster von dir zu nehmen, so dass du von allen unbesiegbarster König genannt wirst. Bete auch, dass er Untätigkeit und Trägheit von dir vertreibe und er dir alle noch fehlenden Tugenden zuteile, mit denen du die sichtbaren und unsichtbaren Feinde besiegen kannst, damit du sicher und frei von allem Ansturm der Gegner mit all deinen Untertanen deinen Lebenslauf in Frieden beenden kannst.
Quelle: Stephan von Ungarn: Monita ad filium, c. 1.2.10. In: Patrologia Latina 151, Sp. 1235 - 1244; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





