Irenäus von Lyon, h1>
Bischof von Lyon, Märtyrer (?), Kirchenlehrer
* um 135 in Smyrna, heute Ízmir (?) in der Türkei
† um 202 in Lyon in Frankreich
… aus ihrem Leben!
Irenäus ist wichtig als Theologe und als Zeuge der ältesten kirchlichen Überlieferung. In Smyrna war er Schüler des Bischofs Polykarp (vgl. 23. Februar), der noch den Apostel Johannes gekannt hatte. Später kam Irenäus nach Gallien und wurde um 177 Nachfolger des Märtyrerbischofs Pothinus. 25 Jahre hindurch leitete er nun die Mission in Gallien. In dieser Zeit schrieb er auch sein großes Werk „ Gegen die Irrlehren“, nämlich gegen die Gnostiker, die den christlichen Glauben in „Erkenntnis“ (Gnosis), d. h. in geistreiche Spekulation, auflösen wollten. Ihnen gegenüber betont Irenäus den katholischen Grundsatz von der „Überlieferung“ (Tradition): Zu glauben ist das, was in allen katholischen Gemeinden unvermindert und unverändert seit der Zeit der Apostel als christliche Lehre von einer Generation an die andere weitergegeben wird. „Wo die Kirche ist, da ist der Geist Gottes“, sagt Irenäus. Als einer der ersten Kirchenväter spricht Irenäus auch von der Vorrangstellung der römischen Kirche.
„Mensch, du bist ein Werk Gottes. Erwarte also die Hand deines Künstlers, die alles zur rechten Zeit macht: zur rechten Zeit für dich, der du gemacht wirst.
Bring ihm ein weiches und williges Herz entgegen und bewahre die Gestalt, die dir der Künstler gegeben hat. Halte dich formbar, damit du nicht verhärtest und die Spur seiner Finger verlierst. Wenn du den Abdruck seiner Finger in dir bewahrst, wirst du zur Vollkommenheit emporsteigen.“ (Irenäus)
Quelle: erzabtei-beuron.de
Reste der Agora von SmyrnaJoachim Schäfer, https://www.heiligenlexikon.de, Ökumenisches Heiligenlexikon
Legenden oder Worte der Heiligen
Die Gegensätze und Verschiedenheiten in der Welt sprechen nicht gegen das Wirken eines ordnenden Schöpfergottes, im Gegenteil:
Die mannigfache Verschiedenheit der erschaffenen Dinge lässt sich so erklären: In Bezug auf die ganze Schöpfung sind alle passend und wohl geordnet, zu einander jedoch sind sie entgegengesetzt und nicht passend:
Es verhält sich so wie mit dem Klang einer Zither: Durch den Unterschied der verschiedenen Töne bringt sie eine wohlklingende Melodie hervor, die aus vielen und gegensätzlichen Tönen besteht. Wer also die Wahrheit liebt, darf sich durch den Unterschied der verschiedenen Töne nicht verleiten lassen, für diese verschiedene Künstler und Urheber anzunehmen, so dass der eine die höheren, der andere die tieferen, der dritte die mittleren Töne gemacht habe, sondern ein und derselbe hat das ganze weise Werk schön und richtig, gut und prächtig hergestellt. Diejenigen, die die Melodie hören, müssen den Künstler loben und rühmen, bei den einen die Anspannung bewundern, bei den anderen aber auf die Lockerheit achten, bei wieder anderen die Mischung zwischen beidem heraushören, bei anderen die musikalische Form in Betracht ziehen und die besondere Bedeutung jeder dieser unterschiedlichen Vortragsweisen und deren Ursache untersuchen.
[Wenn man so auch in Sachen des Glaubens vorgeht,] verändert man nirgendwo die Grundsätze des Glaubens, noch wird man irre am Künstler, noch verwirft man den Glauben an den einen Gott, der alles geschaffen hat, noch lästert man unseren Schöpfer. …
Halte also Ordnung in deinem Wissen und erhebe dich nicht über Gott selbst, indem du seine Güter verkennst, denn du kannst ihn nicht übersteigen.
Der Mensch wird nur dann zu einem wahren Kunstwerk Gottes, wenn er sich sein ganzes Leben hindurch von ihm formen und gestalten lässt:
[Mensch,] es gehört sich, dass du zuerst die Ordnung des Menschen einhältst, dann erst [kannst du] an der Herrlichkeit Gottes teilhaben. Denn nicht du schaffst Gott, sondern Gott schafft dich. Wenn du also ein Werk Gottes bist, dann erwarte die Hand deines Künstlers, die alles zur rechten Zeit macht, zur rechten Zeit aber [auch], was dich betrifft, der du geschaffen wirst. Zeige ihm gegenüber aber dein Herz weich und bildbar und bewahre die Gestalt, die dir der Künstler gegeben hat, behalte in dir die Formbarkeit [eigentlich: Feuchtigkeit], damit du nicht in Verhärtung die Spuren seiner Finger verlierst. Wenn du aber so dein Gefüge bewahrst, wirst du zur Vollkommenheit emporsteigen: Denn durch die Kunstfertigkeit Gottes wird das, was in dir Lehm ist, verborgen. Seine Hand hat in dir den Stoff gestaltet: Sie wird dich von innen und außen mit reinem Gold und Silber zieren und dich so sehr schmücken, dass
der König nach deiner Schönheit verlangt
(Psalm 45, 12). Wenn du dich aber verhärtest und seine Kunstfertigkeit zurückweist und dich ihm gegenüber undankbar erweist, dass du [nur] ein Mensch geworden bist, dann hast du in deiner Undankbarkeit gegenüber Gott zugleich mit seiner Kunstfertigkeit auch schon dein Leben verloren. Das Erschaffen gehört nämlich zum Wesen der Güte Gottes, das Geschaffenwerden aber zum Wesen der Natur des Menschen. Wenn du ihm also übergibst, was dein Anteil ist, d. h. Glauben an ihn und Gehorsam, dann wirst du seine Kunstfertigkeit erfahren und ein vollkommenes Werk Gottes sein.
Quelle: Irenaeus: Adversus haereses 2,25.2.4. In: Patrologia Graeca 7, Sp. 798f = BKV2, Bd. 4, S. 171 - 173; bearbeitet
Quelle: Irenaeus: Adversus haereses 4,39,2. In: Patrologia Graeca PG 7, Sp. 1110 = BKV2 Bd. 4, S. 465f; bearbeitet
Zitate von Irenaeus:
Gott erschuf den Menschen, um jemanden zu haben, dem er seine Liebe erweisen könne.
Die Herrlichkeit Gottes verleiht Leben. Die Gott schauen, erhalten Anteil am Leben. Deswegen macht sich der unfassbare, unbegreifliche Gott sichtbar, begreifbar und fassbar für die Menschen, um ihnen Leben zu schenken, wenn sie ihn durch den Glauben aufnehmen und sehen.
Quelle: https://www.aphorismen.de/suche?f_autor=5402_Irenäus+von+Lyon, abgerufen am 13. November 2019
Da der Glaube ein und derselbe ist, hat keiner mehr, der viel über ihn sagen kann, und keiner weniger, der wenig über ihn sagen kann.
Quelle: Irenaeus: Adversus haereses 1,10,2
Wo die Kirche, da ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes, dort ist die Kirche und alle Gnade.
Quelle: Irenaeus: Adversus haereses 3,24,1
Mit der römischen Kirche nämlich muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allen Orten, denn in ihr ist von denen, die von allen Orten kommen, immer die apostolische Tradition bewahrt worden.
Quelle: Irenaeus: Adversus haereses 3,3,2
Der Knoten des Ungehorsams der Eva wurde durch den Gehorsam Marias gelöst.
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





