John Fisher, h1>
Bischof von Rochester, Kardinal, Märtyrer
* 1469 in Beverley in Yorkshire in England
†22. Juni 1535 in London in England
… aus ihrem Leben!
John Fisher (* 1469) studierte an der Universität Cambridge, wurde Priester, Professor, Kanzler der Universität von Cambridge und Bischof von Rochester. Als Gelehrter war er mit bedeutenden Humanisten, u. a. Erasmus von Rotterdam, befreundet. Er stellte sich protestantischen Bestrebungen in wichtigen Streitschriften entgegen und betrieb Reformen des katholischen Klerus in England. Er war Hofkaplan, Beichtvater der Mutter König Heinrichs VII. und Erzieher des späteren Heinrich VIII., dann auch dessen Hofkaplan. Als dieser seine Ehe mit Katharina von Aragón für nichtig erklären lassen wollte, verteidigte John Fisher die Unauflöslichkeit der Ehe und verweigerte in der Folge den Eid auf die Suprematsakte, durch die sich der König zum alleinigen Haupt der Kirche seines Landes und Inhaber der Lehr- und Hirtengewalt erklärte. Er wurde eingekerkert und in dieser Zeit vom Papst zum Kardinal erhoben, jedoch zum Tode verurteilt und am 22. Juni 1535 enthauptet.
Quelle: evangeliumtagfuertag.org
Hans Holbein der Jüngere: Authentisches Portait, in der Sammlung Windsor Castle in LondonJoachim Schäfer, www.heiligenlexikon.de
Legenden oder Worte der Heiligen
In einer Schrift gegen Martin Luther verteidigt John Fisher die katholische Auffassung vom besonderen Priestertum gegen die Auffassung, es gebe nur ein allgemeines Priestertum aller Gläubigen:
Dies wurde in sehr gerechter Weise von Gott bestimmt; das Volk [Gottes] nimmt die Gestalt der Herde ein, zu ihrer Leitung werden die Priester wie Hirten eingesetzt. Deshalb sagte auch Christus schon ein drittes Mal zu Petrus: (Johannesevangelium 21, 17). Und in der Tat, wie sehr werden Schafe bei Abwesenheit von Hirten in mehrfacher Weise geschädigt: Denn einige verirren sich und werden von der übrigen Herde versprengt, einige verfallen in Krankheiten, die ohne sofortige Behandlung unheilbar werden. Andere werden von Wölfen und den anderen derartig grausamen Tieren verschlungen. Manche gehen des öfteren, weil sie nicht zu festgesetzten Zeiten zu Wasserstellen geführt werden, an Durst und Hunger zugrunde.
So verhält es sich ohne Zweifel auch mit dem Volk [Gottes], wenn die Hirten nicht mit größter Sorgfalt wachsam sind: Einige verfallen dann in seelische Krankheiten und stürzen in jede Art von Verbrechen, einige werden durch Häretiker und Schismatiker zugrunde gerichtet und jämmerlich zerfleischt. Viele gehen aus Hunger und Durst zugrunde, weil das Wort Gottes fehlt. Unzählige geraten schließlich auf Abwege und kommen weiter vom rechten Weg ab, so dass das eintritt, was Salomon im Buch der Sprichwörter (11, 14) zum Ausdruck bringt: Wo kein Lenker ist, wird das Volk zerstreut werden.
Das wagte vielleicht ein allzu Schamloser völlig in Abrede zu stellen, wenn wir es nicht Tag für Tag mit unseren eigenen Augen wahrnähmen. Doch haben wir die offenkundige Erfahrung gemacht: Dort wo Priester die ihnen anvertraute Herde in gleicher Weise mit Wort und Beispiel weiden, wird das Volk von vielen Irrtümern ferngehalten. Und im Gegensatz dazu stürzt das Volk, wenn Priester ihre Pflichten allzu nachlässig wahrnehmen, jählings in den Abgrund aller Übel. Deshalb hat Christus zweifellos, als er eine noch ganz kleine Herde besaß, die zwölf Apostel eingesetzt, denen er noch die siebzig Jünger zur Seite stellte, und beiden Gruppen aufgetragen, das Volk zu lehren. Doch dem Petrus, den er seiner Herde als obersten Hirten hinterließ, legte er diese Aufgabe noch eingehender ans Herz, nämlich, er möge seine Herde, wenn er ihn liebe, sorgsam weiden. Außerdem wurde den Aposteln auch, sei es durch Christus [selbst] oder durch den Geist Christi, die Vollmacht verliehen, nach ihrem eigenen Ermessen Presbyter zu weihen und sie an die Spitze der Gemeinden zu stellen. Dabei fehlte auch nicht die Verheißung künftiger Gnade, sooft sie irgendjemand zu diesem Zweck ihre Hände auflegen würden. …
Es steht [also] hinreichend fest, dass das Priestertum nicht etwas ist, das allen Christen gemeinsam ist, und dass es von Gott eingesetzt wurde.
Quelle: Johannes Fisher: Sacri sacerdotii defensio contra Lutherum (1525), hrsg. v. H. Klein Schmeink. = Corpus Catholicorum 9. Münster i. W. 1925, S. 82f; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





