Justin, Justinus der Märtyrer, h1>
Philosoph, Märtyrer, Kirchenvater
* 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts in Flavia Neapolis, heute Nablus in Palästina (?)
†um 165 in Rom
… aus ihrem Leben!
Justin stammte aus einer griechisch-heidnischen Familie; er wurde um 100 in Nablus, dem biblischen Sichem, in Samarien geboren. Bei allen Philosophen suchte er die Wahrheit, wurde aber von allen enttäuscht. Schließlich fand er in der christlichen Lehre „die allein zuverlässige und wahre Philosophie“. Nach seiner Bekehrung arbeitete er unermüdlich als Lehrer des christlichen Glaubens, aber auch als Vermittler zwischen der griechischen Philosophie und dem Christentum. Von Justin haben wir einen Bericht über den Verlauf des sonntäglichen Gottesdienstes, wie er in Rom ums Jahr 165 gefeiert wurde. Unter Mark Aurel erlitt er um 165 in Rom das Martyrium.
Jesus der Kyrios
Justin: „Ich folge der Lehre der Christen mit fester Überzeugung.“ Der Stadtpräfekt: „Was ist denn das für eine Überzeugung?“ Justin: „Wir verehren den Gott der Christen und beten ihn an. Wir sind überzeugt, dass da ein einziger Gott ist, der am Uranfang die sichtbare und die unsichtbare Welt geschaffen und gestaltet hat. Wir glauben an Jesus als den Kyrios (den Herrn); wir glauben, dass er von den Propheten im Voraus verkündet wurde als der kommende Bringer der Heilsbotschaft und als Lehrer der selig machenden Wahrheit.“ (Aus dem Gerichtsverhör des Märtyrers Justin)
Quelle: erzabtei-beuron.de
moderne IkoneJoachim Schäfer, www.heiligenlexikon.de
Legenden oder Worte der Heiligen
Justinus, der als heidnischer Philosoph Platoniker war, wurde Christ, weil er sich nicht mehr nur mit den Keimen des göttlichen Logos
(der Weltvernunft) zufriedengeben wollte, sondern in Jesus Christus die Fülle des göttlichen Logos erkennen und lieben lernte:
Als Christ erfunden zu werden, das ist, ich gestehe es, der Gegenstand meines Gebetes und meines angestrengten Ringens, nicht als ob die Lehren Platons denen Christi fremd seien, sondern weil sie ihnen nicht in allem gleichkommen, und ebensowenig die der anderen: der Stoiker, Dichter und Geschichtsschreiber. Denn jeder von diesen hat, soweit er Anteil hat an dem in Keimen ausgestreuten göttlichen Logos [spermatikos theios logos] und für das diesem Verwandte ein Auge hat, treffliche Aussprüche getan. Da sie sich aber in wesentlicheren Punkten widersprechen, zeigen sie damit, dass sie es nicht zu einem weit blickenden Wissen und zu einer unwiderlegbaren Erkenntnis gebracht haben. Was immer also bei ihnen trefflich gesagt ist, ist [geistiges] Eigentum von uns Christen; denn wir beten nach Gott den von dem ungezeugten und unnennbaren Gott ausgegangenen Logos an und lieben ihn, da er unseretwegen Mensch geworden ist, um auch an unseren Leiden teilzuhaben und [dadurch] Heilung zu schaffen. Alle jene Schriftsteller konnten also aufgrund des ihnen einwohnenden, angeborenen Logos-Keims nur dunkel das Wahre schauen. Denn etwas anderes ist der Keim einer Sache und ihr Abbild, die entsprechend der [natürlichen] Fähigkeit verliehen werden, und etwas anderes die Sache selbst, deren Mitteilung und Abbildung entsprechend der von ihr kommenden Gnade geschieht.
Justinus verteidigt in seinen beiden Apologien (Verteidigungsschriften) das Christentum gegen völlig abwegige Vorwürfe (z.B. des Inzests und Kannibalismus): Vielmehr habe die Bekehrung zum Christentum eine sittliche Umkehr bewirkt:
Hatten wir früher an unzüchtigen Dingen Gefallen, so huldigen wir: jetzt der Keuschheit allein; gaben wir uns mit Zauberkünsten ab, so haben wir uns jetzt dem guten und ungezeugten Gotte geweiht; wenn wir Geldmittel und Besitz über alles schätzten, so stellen wir jetzt, was wir haben, in den Dienst der Allgemeinheit und teilen jedem Dürftigen davon mit; hassten und mordeten wir einander und hielten wir mit denen, die nicht unseres Stammes sind, wegen der verschiedenen Stammesgewohnheiten nicht einmal Herdgemeinschaft, so leben wir jetzt nach Christi Erscheinen als Tischgenossen zusammen, beten für unsere Feinde und suchen die, welche uns mit Unrecht hassen, zu bereden, dass auch sie nach Christi schönen Weisungen leben und guter Hoffnung seien, dass auch sie dieselben Güter wie wir von dem allherrschenden Gott erlangen werden.
Quelle: Justinus: 2. Apologie 13. In: Patrologia Graeca 6, Sp. 465 - 468. = BKV2 12, S. 154 (bearbeitet)
Justinus: 1. Apologie 14. In: Patrologia Graeca 6, Sp. 347f. = BKV2 12, S. 78 (bearbeitet)
Zitate von Justinus:
Die Christen sind auch nicht, wie behauptet wurde, Feinde des Staatswesens, sie sind vielmehr loyale Staatsbürger und setzen sich für dessen Wohl ein:
Abgaben und Steuern suchen wir überall vor allen anderen euren Beamten zu entrichten, wie wir von ihm (Jesus) angeleitet worden sind ist. … Darum beten wir zwar Gott allein an, euch aber leisten wir im übrigen freudigen Gehorsam, indem wir euch als Könige und Herrscher der Menschen anerkennen und beten, dass ihr nebst eurer Herrschermacht auch im Besitze vernünftiger Einsicht erfunden werdet.
Niemand ist so weit gegangen, für Sokrates und seine Lehren in den Tod zu gehen, anders verhält es sich mit Christus: Dem Sokrates hat niemand soweit geglaubt, dass er für diese Lehre in den Tod gegangen wäre; dem Christus aber … haben nicht allein Philosophen und Gelehrte geglaubt sondern auch Handwerker und ganz gewöhnliche Leute, und zwar mit Hintansetzung von Ehre, Furcht und Tod; denn er ist die Kraft des unnennbaren Vaters und nicht das Gefäß menschlicher Vernunft.
Quelle: Justinus: 1. Apologie 17. In: Patrologia Graeca 6. = BKV2 12, S. 83
Justinus: 2. Apologie 10. In: Patrologia Graeca 6. = BKV2 12, S. 150f]
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





