Anselm von Canterbury, h1>
Abt in Le Bec, Erzbischof von Canterbury, Kirchenlehrer
* 1033 (?) in Aosta in Italien
†21. April (?) 1109 in Canterbury in England
… aus ihrem Leben!
Anselm war ein europäischer Mensch. Er wurde um 1033 in Aosta (Italien) geboren; wurde Mönch und Abt in der Abtei Bec in der Normandie (Frankreich), und schließlich war er 1093-1109 Erzbischof von Canterbury und Primas von England. Als solcher war er ein Vorkämpfer der kirchlichen Freiheit, im gleichen Sinn wie später Papst Gregor VII. Zweimal musste er in die Verbannung gehen. Er war ein philosophischer und theologischer Denker von ungewöhnlichem Format und gilt als Vater der scholastischen Theologie. Er versuchte, die traditionsgebundene Theologie seiner Zeit auf eine neue Grundlage zu stellen; nicht mehr mit Berufung auf Autoritäten und Bibelstellen will er seine theologischen Beweise führen, sondern in strenger vernünftiger Logik. Der Glaube soll für die Vernunft einsichtig werden. Damit steht Anselm in der Mitte zwischen Augustinus und Thomas von Aquin. Er starb am 21. April 1109 in Canterbury.
Quelle:erzabtei-beuron.de
Albert Wider: Bronzestatue, vor der Kirche Sant'Anselmo in RomJoachim Schäfer, www.heiligenlexikon.de
Legenden oder Worte der Heiligen
Anselm sucht auch mit Vernunftgründen zu erklären, weshalb die Erlösung des Menschen zugleich Werk der göttlichen Gerechtigkeit und der göttlichen Güte ist:
Wahrlich, nicht Gott bedurfte es, den Menschen auf solche Weise zu retten, sondern die menschliche Natur bedurfte es, auf diese Art Gott Sühne zu leisten. Nicht für Gott war es notwendig, derart Schlimmes zu erleiden, sondern für den Menschen war es notwendig, solchermaßen versöhnt zu werden. Nicht Gott hatte es nötig, sich so zu erniedrigen, sondern der Mensch hatte es nötig, auf diese Weise der Tiefe des Verderbens entrissen zu werden. Die göttliche Natur hat es weder nötig, sich zu erniedrigen und sich abzumühen, noch vermochte sie es. All das musste die menschliche Natur vollbringen, um für das Ziel, für das sie geschaffen war, wiederhergestellt zu werden. Dazu aber war sie selbst und alles andere, was nicht Gott ist, nicht fähig. Denn der Mensch wird für das Ziel, für das er bestimmt war, nicht wieder instand gesetzt, es sei denn, er wird aufs Neue auf den Weg gestellt, den sündelosen Engeln ähnlich zu werden. Das aber kann nur geschehen, wenn zuvor alle Sünden vergeben wurden. Und das wiederum hat zur Voraussetzung, dass erst umfassende Sühne geleistet wird.
Die Sühne muss so beschaffen sein, dass der Sünder oder jemand an seiner Stelle Gott etwas von sich persönlich schenkt, was er ihm nicht schon schuldet und was alles überragt, was nicht Gott selbst ist. Denn sündigen bedeutet, Gott die Ehre nehmen. Das durfte der Mensch buchstäblich ‚um alles in der Welt’ nicht tun. Deshalb erfordert es die ewige Wahrheit und die evidente Vernunft, dass der Sünder Gott für die genommene Ehre etwas Größeres zurückgibt als alles in der Welt
, als das, um dessentwillen er Gott nicht hatte entehren dürfen. Weil dazu aber die menschliche Natur, allein auf sich gestellt, nicht fähig war und sie ohne angemessene Sühne nicht versöhnt werden konnte - sonst hätte Gottes Gerechtigkeit in seinem Reich die Sünde ungeordnet gelassen -, kam Er in seiner Güte zu Hilfe. Der Sohn Gottes nahm die menschliche Natur in seine Person auf, so dass die Person des Gottmenschen Glied der Menschheit wurde. Und er besaß nun nicht nur das, was alles - außer Gott - überragt, sondern er nahm auch alle Schuld auf sich, welche die Sünder zu begleichen haben. Und da er selbst nichts schuldete, zahlte er für die anderen, die das nicht besaßen, was sie schuldig waren.
Quelle: Anselm vom Canterbury: Meditatio redemptionis humanae. In: Opera omnia, hrsg. von S. Schmitt, Bd. 3. Edinburgh 1946, S. 84-89; zitiert nach: Quellen geistlichen Lebens, Bd. II: Das Mittelalter. Matthias-Grünewald-Verlag Ostfildern 2008, S. 38f
Gebet von Anselm:
Herr, mein Gott, der mich geschaffen und neu geschaffen hat, sag meiner verlangenden Seele, was du über das hinaus bist, was sie gesehen hat, damit sie dich rein erkennt. … Du bist überall, und doch sehe ich dich nicht. In dir bewege ich mich, und in dir bin ich (vgl. Apostelgeschichte 17, 28), und doch kann ich nicht zu dir kommen! Du bist in mir und um mich, und doch, ich fühle dich nicht! Mein Gott, ich bete: Ich möchte dich erkennen, dich lieben und an dir mich freuen. Wenn ich es in diesem Leben nicht ganz erreichen kann, so lass mich täglich fortschreiten, bis jenes Ganze kommt; hier möge deine Erkenntnis in mir wachsen und dort vollendet werden. Hier nehme meine Liebe zu dir zu, um dort vollkommen zu werden. Hier sei meine Freude groß in der Hoffnung, dort in der Wirklichkeit unbegrenzt.
Quelle: Anselm von Canterbury: Proslogion; zitiert nach: Monastisches Lektionar zum 21. April
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





