Kommentar zum Sonntagsevangelium


Dein Reich komme!

Sel. Columba Marmion (1858-1923)
Abt
Die Armut (in: Christus unser Ideal, Paderborn 1929, S. 241; leicht angepasst)

Das Wort Gottes ist „König, König des Himmels und der Erde.“ Das Wort „lebt und regiert“ in Gott. Christus lebt nur da, wo er regiert, er ist wesentlich König! Er lebt in uns in dem Maße, in welchem er in uns alles beherrscht, über unsere Fähigkeiten regiert, all unser Handeln befiehlt.

Wenn alles in uns von ihm kommt, d. h. wenn wir nur noch denken wie er, wollen wie er, wenn wir nur nach seinem Wohlgefallen handeln, so legen wir uns selbst, unser ganzes Sein ihm zu Füßen, dann herrscht er in uns. Alles, was uns eigen, uns persönlich ist, verschwindet, um dem Gedanken und dem Willen des göttlichen Wortes Platz zu machen. Diese Herrschaft Christi in uns muss vollständig sein; hundertmal am Tage bitten wir: „Dein Reich komme!“ O Herr, dass er doch käme, dieser Tag, wo du ganz in mir regieren wirst, wo kein eigener Wille mehr deine Macht in mir stören wird, wo ich gleich dir ganz dem Vater hingegeben wäre, wo keine eigene Eingebung mehr das Wirken deines Geistes in mir betrüben würde!

An diesem Tage werden wir, so viel an uns liegt, unsere eigene Persönlichkeit abgelegt und sie vor Christi Herrscherthron niedergelegt haben. Er wird dann in Wirklichkeit „Alles in Allem“ (1 Kor 15,28) für uns sein. Wir werden dann moralisch nichts mehr zu eigen haben, alles wird ihm gehören, alles ihm untertan, ihm gegeben sein […].