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Kommentar zum Sonntagsevangelium


„Er nehme täglich sein Kreuz auf sich“

Hl. Johannes XXIII. (1881-1963),
Papst Tagebuch der Seele, 1930,
Einkehr in Rusciuk

In diesen Tagen zieht mich die Liebe zum Kreuz meines Herrn mehr und mehr an. Gütigster Jesus, gib, dass es kein Strohfeuer ist, das beim ersten Regen erlischt, sondern ein Brand, der nie verlöscht. Dieser Tage habe ich noch ein schönes Gebet gefunden, das sehr gut zu meiner geistigen Befindlichkeit passt [...]:

„O Jesus, meine gekreuzigte Liebe, ich bete dich an in all deinen Leiden [...]

Ich nehme von ganzem Herzen, aus Liebe zu dir, jedes körperliche und geistige Kreuz an, das auf mich zukommt.

Und ich gelobe, meine ganze Ehre, meinen Schatz und meinen Frieden auf dein Kreuz zu legen, also auf die Demütigungen, Entbehrungen und Leiden, und mit dem hl. Paulus zu sagen: ,Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn rühmen‘ (Gal 6,14).

Was mich betrifft, so will ich auf dieser Erde kein anderes Paradies als das Kreuz meines Herrn Jesus Christus“ [...]

Alles weist mich darauf hin, dass der Herr mich „auf dem Königsweg des heiligen Kreuzes“ ganz für sich haben will. Und auf diesem Weg und auf keinem anderen will ich ihm folgen [...]


Ein wesentliches Merkmal dieser Einkehr war ein großer innerer Friede und eine große innere Freude. Sie machen mir Mut, mich dem Herrn in allen Opfern, die er meinem Gemüt auferlegen will, zu überlassen. Ich möchte, dass ich und mein ganzes Leben immer mehr von diesem Frieden und dieser Freude durchdrungen werden, nach innen und nach außen [...] Ich werde diese innere und äußere Freude gut zu bewahren suchen.

Vom hl. Franz von Sales stammt der Vergleich: „Ich bin wie ein Vogel, der im Dornengestrüpp singt“. Ihn nehme ich unter anderem gerne für mich in Anspruch; er soll mir eine ständige Aufforderung sein. Also nicht viele vertrauliche Mitteilungen über das, was Leiden verursachen kann, viel Zurückhaltung und Nachsicht bei der Beurteilung von Menschen und Situationen; großes Bemühen, besonders für die zu beten, durch die ich Leid erfahre; und dann in allem viel Güte, uneingeschränkte Geduld, im Wissen, dass jede andere Haltung [...] dem Geist des Evangeliums und der Vervollkommnung im Sinne des Evangeliums nicht entspricht. Von dem Moment an, wo ich um jeden Preis die Liebe triumphieren lasse, soll es mir recht sein, für einen Niemand gehalten zu werden. Ich will auf mir herum trampeln lassen, aber dabei geduldig und gütig sein bis zum Heldenmut!